Wie erklärt man einem West-Deutschen seine Geschichte in drei Sätzen?

Hallo, mein Name ist Michel. Deutscher Michel.

Ich bin wieder auf freiem Fuß, nach 100 Jahren im Knast, aber dazu später mehr. Wir haben nicht viel Zeit. Ich melde mich heute aus, äh, aus, hm, einen Augenblick bitte, entschuldigen Sie bitte, wie heißt diese Stadt?

Willkommen in Trier, sehr geehrter Herr.

Ich melde mich heute aus Trier mit dem Thema: Wie erklärt man einem Deutschen seine Geschichte in drei Sätzen?

Es war einmal eines der konstruktivsten, produktivsten Länder dieser Erde, das auf der Höhe seiner Macht einen perfekten Plaxico Burress, Plaxico? American Football?

Das ist, man, das ist als würde Mario Götze das Siegtor im WM-Finale machen und sich dann zwei Monate später in der Disse ins Bein schießen, mit ’ner Knarre, nicht mit dem Ball, mit einer Pistole, die er im Bund seiner DFB-Trainingshose getragen hatte und das alles, nachdem er einen 40-Millionen-Vertrag, OK, jetzt wird’s ’n bisschen lang, also:

Es war einmal eines der konstruktivsten, produktivsten Länder dieser Erde, das auf der Höhe seiner Macht einen perfekten Plaxico Burress vollzog, um danach als erstes Land der Geschichte für einen Krieg bestraft zu werden.

Einer der Gefängnisinsassen wurde zum Gefängniswärter, dann zum Gefängnisdirektor und dank der großen Unterstützung seiner Nachbarn verwandelte er sich in den unglücklichen Burress, und mit ihm die Mehrheit seines Volkes.

Im Versuch dieses Landes, sich davon zu erholen lässt es sich generationenlang von den Nachbarn regieren und wählt nur noch Gefängnisdirektoren, deren einzige Qualifikation ist, sich nicht selbst in die Beine zu schießen.

Mission Accomplished!

Oh Mann. Das versteht ja kein Deutscher. Das verstehen nur nach-links-lehnende Amis. Bei nach-rechts-lehnenden Amis klingt „Deutschland in drei Sätzen“ so:
Kaiser bad. Hitler worse. USA #1.

OK, ich versuch’s noch mal. Deutschland in drei:

Vor 83 Jahren wurde ein junger Beknackter ans Steuer Deutschlands gelassen der die Karre mit seinem Gasfuß so dermaßen vor die Wand gefahren hat, dass seine Nachfolger allesamt alte Knacker waren, die ihren Chauffeuren Bank & Handel – in Kooperation mit Siegermächte GmbH – das Steuer in die Hand drückten; was nicht die schlimmste Idee ist, solange man den Chauffeuren regelmäßig auf die Finger schaut und auch mal draufhaut, wenn die sich auf Abwege begeben.
Nach 35 Jahren kam dann wieder ein Jungspund ans Lenkrad, der ebenfalls seine eigenen Landkarten und Fahrpläne hatte – sein Nachfolger hatte weder noch, nur ein Selbstportrait unterm Arm – doch mit Saumagen und Currywurst im Tank kommt man leider nur bis Ehrenwort, Nordstream oder in die eintrittpflichtige Ruhmeshalle Geschichtsbuch.

[Anm.: In fünf Bundesländern klingen die ersten beiden Sätze marginal anders.]Vor 83 Jahren wurde ein junger Beknackter ans Steuer Deutschlands gelassen der die Karre mit seinem Gasfuß so dermaßen vor die Wand gefahren hat, dass seine Nachfolger allesamt alte Knacker waren, die ihrem Besitzer Ich-AG UdSSR das Steuer in die Hand drückten – was nicht die schlimmste Idee ist, solange eine freie Presse den Chauffeuren Herr Politbüro und Frau Stasi regelmäßig auf die Finger schaut und nicht nur beipflichtend hüstelt, wenn die sich auf wieder Abwege begeben und fummeln wo sie nichts zu fummeln haben.

Man darf vermuten, dass die Chauffeure bemüht waren den Trabbi vernünftig zu lenken, doch im Enddarm des Väterchens war die Sicht so begrenzt wie das eigene Land, das eigene Denken und das eigene Handeln – nicht jedoch so sehr dass man nach schlecht 40 Jahren die morsche Mauer umfallen konnte.

Seit gefühlten 83 Jahren sitzt nun wieder eine Person mit Migrationshintergrund [Anm.: Der eine schwappte von Braunau bis Braunschweig, die andere wurde von Hamburg über Leipzig ins Flüchtlingslager Bundespresseamt Bonn gespült.] am Steuer, bemüht sich mit Auf-Sicht-Fahren – vorwärts, rückwärts, spielt keine Rolle – ebenfalls um einen Platz in der Geschichte, wobei sie mit ihrer Schnarch- und Leerlauffahrt zwar bisher erfolgreich von den meisten Wänden ferngeblieben ist, doch nun von ihr nicht wirklich wirklich verschuldet auf einen Abgrund zufährt auf dessen anderer Seite die nächste junge Beknackte schon fröhlich winkt.

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Danke.